Vegan in Rom. Eine Stadt zwischen Antike und Kokosblütenzucker


Rom Stadtzentrum

Rom und seine veganen Geheimnisse

 

Dass in Rom, der Ewigen Stadt, Tradition und Moderne zusammenleben, ist absolut selbstverständlich. Wie beeindruckend die ganze Stadt ist, brauche ich gar nicht zu erzählen. Auch wenn kaum ein altrömisches Gebäude sein originales Aussehen erhalten hat, bekommt man einen guten Eindruck davon, was man vor 2000 Jahren auch ohne moderne Technik schaffen konnte. Wieder mal ein Beweis dafür, dass den menschlichen Fähigkeiten keine Grenzen gesetzt sind. Was das Essen angeht, war ich trotzdem irgendwie überrascht, in dieser Stadt ein so großes veganes Angebot zu finden. Was eigentlich logisch sein sollte – ist ja eine der meistbesuchten Städte der Welt, müsste also allen Ansprüchen gerecht werden. Aber wer weiß, vielleicht waren’s einfach nur die guten alten Vorurteile… Italiener essen doch nur Pasta und Pizza und wenn man davon das Fleisch und auch noch den Käse weglässt, dann bleiben nur Tomaten… Alles natürlich Quatsch! Ich habe mich schon vor der Reise auf HappyCow informiert, was es für vegane Lokale in Rom gibt. Die Liste war so lang, dass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen soll. 😀 Dazu später.

Hätte den alten Römern das vegane Essen auch geschmeckt? Die Römer waren alles andere als Veganer und auch generell nicht besonders gesundheitsbewusst. Vielleicht kannten sie die Super-Energiequellen Chia und Hanf nicht, aßen aber irgendein anderes Wunder-Nahrungsmittel a.k.a. erlaubtes Doping, um unermüdlich gegen den Feind anzutreten. Da wir grad beim Thema Geschichte sind: Eine Legende besagt, dass Alexander der Große jeden seiner Krieger mit ein paar getrockneten Datteln versorgte. Diese sollten zusätzliche Energie liefern und lange satt halten bei den endlosen Kriegszügen des antiken Herrschers.

Diskobolos_Diskwerfer_Rom

Es war sicher kein Bier, was diesen athletischen Körper formte.

Was essen denn die modernen veganen Römer?

Ich war schnell beruhigt, dass ich in Rom nicht verhungern werde und mich nicht eine Woche lang ausschließlich von Salat und Obst ernähren muss. Also habe ich von meiner langen Liste ein paar Gelaterias und Restaurants ausgesucht, die meinen veganen Ansprüchen gerecht werden und die gut zu erreichen waren. Besucht habe ich letztendlich drei vegane Lokale in Rom (und Umgebung).

 

Diaries_Rome

Erster Halt: Le Chat il gelato giusto

Le Chat ist eine Gelateria, wie der Name schon verrät. Aber nicht irgendeine Gelateria. Die Eiscreme dort ist einzigartig, unvergleichlich, genial! Vegan und nicht vegan. Nur da und nirgendwo anders ist das Eis wirklich hausgemacht.

Die kleine Eisdiele, wo man den Eismachern beim Eismachen zuschauen kann, befindet sich außerhalb von Rom, in Lido di Ostia, was an der Küste in ca. 30 min Entfernung liegt. Wir haben da ein paar Tage verbracht, um den Städte-Trip um ein bisschen Strand zu erweitern. Die Strände in der Gegend sind übrigens zum Großteil nur gegen eine Eintrittsgebühr zugänglich und die paar öffentlichen Strände sollen in der Hochsaison überfüllt sein. Als wir Anfang/Mitte September da waren, war keine Spur davon geblieben. Trotzdem haben wir noch ein paar Sonnenstrahlen abbekommen und das beste Eis der Welt gegessen.

Jetzt zurück zur Gelateria. Das Besondere am Eis dort ist nicht nur die vegane und nicht vegane Vielfalt, sondern auch die Aufmerksamkeit, mit der die Zutaten ausgewählt werden. Verwendet werden nur:

  • fairgehandelte Bio-Produkte
  • oft lokaler Herkunft
  • keine künstliche Aromen und Farbstoffe
  • höchstens natürliche Bindemittel wie Guarkernmehr und Johannisbrotkernmehl

Die Becher sind wiederverwertbar und biologisch abbaubar. Nur was den verwendeten Rohrzucker betrifft, finde ich, könnte man noch was tun. Es gibt noch ein paar Stufen zu besteigen auf der Zuckerskala (mehr dazu ein anderes Mal).

Probiert habe ich die Sorten Mela e Cannella (Apfel und Zimt) und Pera con cioccolato (Birne mit Schokostückchen). Mhmm? Mhhhhhhmmmmm! An den Geschmack kann ich mich heute noch ganz klar erinnern. Ein aromatischer Traum, von dem man gar nicht genug bekommen kann! Die Konsistenz etwas zu sorbetähnlich, sodass ich mein Eis ganz schnell essen musste. Angesichts der tropfenden Eiscreme und des nahenden Sturmes konnte ich leider kein besseres Foto schießen.

Le Chat Gelateria Ostia Rom

 

Und kurz vor dem Sturm konnte ich noch den Sonnenuntergang hinter den Wolken erwischen. Danach regnete es 12 Std. lang ohne Unterbrechung. Und dann ging’s weiter mit meinen veganen Erlebnissen.

Sonnenuntergang_Ostia_Lido_Rom

Nächster Halt: CamBio Vita

Die Zeiten ändern sich. Aus Dolce Vita ist CamBio Vita geworden?

Im Zentrum von Rom, als wir auf dem Weg zum Vatikan waren, wurde ich zufällig auf ein kleines Bio-Restaurant aufmerksam und ein paar Sekunden später saßen wir schon drin. 🙂 Das war nämlich CamBio Vita, das ich in meiner Liste der veganen Angebote in Rom schon gesehen hatte. Wir wurden vom Besitzer höchstpersönlich bedient. Er kannte gut English und ich konnte ein paar Worte mit ihm über vegane und gesunde Ernährung austauschen. Er zeigte sich besorgt, dass es in Rom nicht so viele vegane Lokale gäbe. Oh, dann war er wohl noch nie in Stuttgart. 😉

Das Angebot bei CamBio Vita reicht von Riesen-Cookies und Kuchen über gesunde Gerichte und Sandwiches (auch zum Mitnehen) bis hin zu Eis (darf ja in Italien nirgendwo fehlen). Alles 100% vegan, bis auf die Eiscreme – da waren, warum auch immer, viele nicht vegane Sorten mit dabei. Egal, immerhin bekam ich einen glutenfreien Waffelbecher.

Probiert habe ich eine Kugel Rotweineis und eine Schoko. Vielleicht nicht die beste Kombination, weil der Weingeschmack nicht so intensiv war wie die Schokolade. Und trotzdem: Ah, diese Italiener! Kein Wunder, dass gerade sie den Begriff Dolce Vita erfunden haben. 🙂

Cambio_Vita

Natürlich musste ich auch ein Stück Kuchen probieren. Am liebsten hätte ich von allen Süßigkeiten was gekauft, aber wie man sagt, zu viel des Guten ist nicht gut. Also entschied ich mich für einen Schokokuchen mit einer Mokkabohne oben drauf und einen riesigen Cookie mit Haselnüssen. Diese hatte ich zum Mitnehmen bestellt und dann später in unserer Wohnung genüsslich verputzt. Ja, auch die waren richtig lecker! Preislich natürlich etwas teurer, da selbstgemacht, vegan und aus hochwertigen Zutaten. Und natürlich weil die Nachfrage leider immer noch recht winzig ist, was wir aber ändern können! 😀

Cambio_Vita_Cake

 

Cambio_Vita_Cookie

Riesen-Cookie mit Durchmesser ca. 12 cm!

Letzter Halt: Grezzo Raw Chocolate

Grezzo_Rome

Oh, yeah! Nach der Eisdiele Le Chat war das die nächste große vegane Entdeckung: Die Schokoladen-Boutique Grezzo. Diesmal ausnahmslos vegan, 1000% gesund und in Rohkostqualität. Und nochmal: Oh, yeah!, Oh, yeah!, Oh, yeah! 😀 Ein veganer Himmel! Alles luxuriös präsentiert, perfekt zubereitet und schön verpackt. Vegane Konditorkunst vom Feinsten. Ohne Worte. Da ließ ich einfach die Geschmackssinne sprechen. Euch kann ich leider nur ein paar schlechte Bilder zeigen… Aber ich verspreche, dass es unglaublich gut schmeckt! Für Gourmet-Liebhaber aller Ernährungsformen ein Besuch wert.

Auch dort hätte ich am liebsten alles bestellt. Doch da fiel es mir einfacher, der Versuchung zu widerstehen: Die Preise hatten meinen Appetit gezügelt. 😀 Der Durchschnittspreis lag bei 5€. Der durchschnittliche Durchmesser der Leckereien: 5 cm. Eigentlich völlig berechtigt, wenn man bedenkt, was für Zutaten verwendet werden. Nicht nur ist alles Bio, Fair Trade und aus kontrolliertem Anbau, sondern auch ohne:

  • Mehl mit Gluten
  • Milch und Milchprodukte
  • Eier
  • raffinierten Zucker
  • Soja
  • Farbstoffe und Konservierungsmittel
  • Hefe und chemische Produkte

Last but not least: Alles ist in Rohkostqualität (wurde nicht über 40° erhitzt).

Alles wird per Hand gemacht und vorzugsweise in kleinen Mengen, um die Frische zu garantieren. Das Ergebnis: Rohkost-Gourmet-Küche, die Veganer und Allergiker besonders freut. Was mich aber echt beeindruckte, war dass sie keinen Rohr-, Rohrohr- und auch nicht Vollrohrzucker verwenden. Sondern Kokosblütenzucker! Das ist nicht irgendeiner exotischer Zucker, sondern eine der gesündesten Zuckerarten überhaupt. Er eignet sich super auch für Diabetiker und liefert langanhaltende Energie.

Kommen wir nun zum wichtigsten Teil. Was ich gegessen hab, war nicht nur unglaublich lecker – alles war so professionell gemacht, dass ich überhaupt nicht erraten konnte, was drin ist. Typische Zutaten für vegane Rohkostsüßigkeiten sind Datteln, Cashew, andere Trockenfrüchte und Nüsse. Doch nichts schmeckte mir wie etwas, was ist schon mal gegessen habe. Auch die Konsistenzen waren ganz fein – so wie ich es niemals selbst hinbekommen könnte. Es war offensichtlich, dass dahinter ein erfahrener Gourmet-Konditor steckt, der wahrscheinlich schon mal für die Queen gekocht hat. 😀 Ok, das muss nicht unbedingt wahr sein, aber so gut waren die kleinen süßen Leckereien.

Bewusst bestellte ich mir ein Becherchen Tiramisu-Creme. Das typisch italienische Dessert von Italienern für Veganer gemacht – das ist schon was Besonderes. Gut, eine dunkle Schicht mehr wäre mir lieber gewesen, aber auch so hat es göttlich geschmeckt. Richtig fein und aromatisch.

Grezzo_Tiramisu

Tirrrramisu

Zum Mitnehmen hatten sie mir ein Sacher-Törtchen und ein paar seltsam geformte Haselnuss-Schoko-Kekse eingepackt. Ich war echt neugierig, wie gut denen die Königin der Torten gelungen ist. Hm, das war nicht die Sacher-Torte, die wir alle kennen. Aber vielleicht sogar besser. Feine Konsistenz, die so leicht und lecker war, mit einer fruchtigen Füllung, die ich für eine Aprikosenmarmeladen-Mischung hielt. Vielleicht lag ich völlig daneben, aber ich wollte unbedingt herausfinden, was da drin war. Doch die Zutatenliste stand nur drin an der Kühlvitrine und zwar auf Italienisch… Bitte, achtet drauf, wenn jemand von euch da hingeht! 😀

Grezzo_Cookies_Sacher

Von links nach rechts: Schoko-Haselnuss-Kekse in authentischer, handgemachter Optik; Sacher-Törtchen. Dazwischen: Riesen-Cookie vom Vortag.

Grezzo_Cookies_Sacher

Sacher-Torte mit geheimnisvoller Füllung

Zum Schluss noch einen kleinen Pizza-Bericht

Dem Klischee muss man ja auch als Veganer nachgehen. Ich war nirgendwo, wo die Pizzas als vegan bezeichnet waren, bestellte aber ein paar mal eine vegetarische Pizza ohne den Käse. Schon am ersten Tag hatten wir uns in eine Pizzeria am Strand (Cafe Riz) von Lido di Ostia gesetzt. Ich bekam eine gute Steinofen-Pizza mit Grillgemüse.

Riz_Cafe_Pizza

 

Später in Rom waren wir in der legendären Pizzeria Baffetto, wo anscheinend viele prominente Gäste, vor allem Fußballspieler schon mal da waren (oder das wollten zumindest die Bilder an den Wänden vermitteln). Die Einrichtung war authentisch, vielleicht sogar zu authentisch. Heutzutage ist vor lauter Authentizität echt schwer geworden, warmes Wasser auf den Toiletten zu finden oder überhaupt das Wasser anzumachen. 😀 Doch will ich vor allem was über die Pizzen sagen. Auch da hat es mit der vegetarischen Pizza ohne den Käse problemlos geklappt. Ich war überrascht wie dünn die Pizzen waren. So eine dünne Pizza hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Der Boden war extrem dünn und auch das Gemüse für den Belag war wortwörtlich in 1 mm dünne Scheiben geschnitten. Na ja, auch das muss man probiert haben. 😉 Diese Pizza war schön knusprig, aber vielleicht in der veganen Variante etwas zu fade. Den Eindruck hatte ich bei der obigen Pizza dagegen eher nicht.

Baffetto_Pizza_vegan

 

Abschließend muss ich sagen, dass ich nicht nur eine beeindruckende historische Stadt sah, sondern auch richtig gutes, veganes Essen hatte. Danke, Rom, für das unvergessliche Erlebnis und auf Wiederessen!

Rom

Kommentar verfassen