Vegan in Oslo – Mission Possible?


Vegan in Oslo

Fakt ist, dass Lachs, Rentier und Wal in Norwegen lieber im Teller gesehen werden als in der freien Natur. Fakt ist auch, dass man früher im kalten Norden anders nicht hätte überleben können. Von Anfang an war es mir daher klar, dass ich in Oslo nichts Landestypisches probieren werde. Ich habe nur gehofft, dass es nicht so schwer wird, was Gesundes und Veganes zu finden – sei es in einem Restaurant, Fast Food oder Bio-Laden. Ich hatte ja meine Liste der veganen Lokale in Oslo von HappyCow ausgedruckt und fleißig einstudiert. Doch nach drei Tagen in der norwegischen Hauptstadt schienen sich unsere Wege mit keinem der paar veganen Lokale aus der Liste zu kreuzen – mal wegen den Öffnungszeiten, mal wegen der Entfernung oder aus anderen Gründen. Ich machte mir schon sorgen, Oslo verlassen zu müssen, ohne einen Einblick in die heimische vegane Szene bekommen zu haben. 😩

 

Wie einfach ist es als Veganer in Oslo unterwegs zu sein?

Street Food

Street Food und Supermarkt waren unsere Hauptbezugsquellen für Essen, da wir ja nicht so oft die Möglichkeit hatten, uns irgendwo für längere Zeit zum Essen hinzusetzen.

Cool: Auf einem Fest in unserem Viertel Majorstuen habe ich leckere „Bakt potet“, also Backkartoffeln gefunden. Dazu gab’s einen kleinen frischen Salat mit Saußen und Krautsalat. Auf die Saußen und den Krautsalat musste ich leider verzichten, da sie nicht vegan waren, aber sonst top.

Uncool: Direkt am Hafen, in unmittelbarer Nähe am berühmten Rathaus, wo der Friedensnobelpreis verliehen wird, stehen jeden Tag 3-4 Food-Trucks. Als ich da war, bat nur einer etwas Vegetarisches (nicht vegan!) an und das war ein Gemüse-Wrap mit Mangosoße, der sich eigentlich gar nicht so schlecht anhörte, aber in Wirklichkeit nur stinknormaler Eisbergsalat mit ein paar Tomatchen und ein bisschen Soße war.

Auch uncool: Street Food unter 10 € gibt es kaum. Also selbst der bescheidene Wrap mit Eisbergsalat hat mich 10 € gekostet.

 

Supermärkte

Zum Glück hatte ich ein paar Rohkost-Riegel und andere vegane Basics für den Flug und für alle Fälle mit eingepackt – die haben mich gerettet. Der Supermarkt in der Nähe von unserer Wohnung Rema 1000 war eher schlecht bestückt. Entsprechend gab es auch keine große Auswahl an veganen Lebensmitteln. Ich musste mich mit Tomatensuppe, Alpro-Joghurt, Linsenchips und glutenfreies Knekkebrød zufriedenstellenÜbrigens war das Knäckebrot so lecker, dass ich es nachgemacht habe und ab jetzt wohl häufiger machen werde. Das Rezept folgt. 🙂

Ein paar tolle Sachen wie kaltgepresste Säfte und Shots sowie Rawbar-Riegel gab’s im 7-eleven – eine Imbisskette, die gefühlt an jeder Ecke war. Allerdings wesentlich teurer als wir es hier in Deutschland gewohnt sind.

 

The Fragrance of the Heart
Vegetarian Café

Das war das einzige vegetarisch-vegane Lokal, das wir besuchten – dafür aber ganze zwei Mal! 😀 The Fragrance of the Heart gibt’s ja auch nur zwei Mal in Oslo. Sonst soll es laut Webseite eine internationale Kette sein, die von einem indischen spirituellen Lehrer inspiriert wurde. Das hat man an der Deko in den Cafes schon gemerkt. 😉 Doch gerade das macht sie besonders gemütlich, vor allem an einem kalten und verregneten Tag. Tatsächlich hatten wir im Mai einen solchen und der feurigen Karotten-Ingwer-Suppe sei Dank, konnte ich den gut überstehen!

Praktischerweise liegt The Fragrance of the Heart direkt neben dem Rathaus – so hat man wenigstens eine vegane Option im Zentrum von Oslo. Das zweite Café, das ich gemütlicher und schöner fand, befindet sich im Stadtteil Majorstuen.

 

Olympen
Nicht vegan, aber trotzdem empfehlenswert

Olympen hat uns mit seiner großen Auswahl an Bier aus aller Welt überzeugt. Aber auch die Einrichtung hat mir sofort zugesagt – eine ungewöhnliche Mischung aus Kneipe und edlem Restaurant. Entsprechend war auch der Kellner sehr höflich und cool zugleich. Wo gibt es denn so was?! Also haben wir schnell beschlossen nicht nur ein exotisches Luxus-Bierchen zu trinken (in Norwegen ist Alkohol ja ein Luxus), sondern auch uns mit einem besonderen Gericht zu verwöhnen.

Obwohl im Olympen über 100 Biersorten angeboten werden, gibt es keine Getränkekarte. Ich wurde einfach nach meinen Vorlieben gefragt. Nach einem kleinen Beer Tasting habe ich mich für ein ausgefallenes Bier mit Schoko-Kaffee-Geschmack entschieden. Unbedingt ausprobieren!

Zum Essen aber gab es auf der Speisekarte kein einziges Hauptgericht ohne Fleisch! :O Dann habe ich den coolen Kellner direkt gefragt, ob sie mir etwas Veganes anbieten könnten. Wenn ich schon mal bereit bin, dort ein paar Euro liegen zu lassen… Tatsächlich – ich habe leckeren Reis mit selbstgemachten Gemüsechips und Gemüse der Saison serviert bekommen. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet! Also ein Pluspunkt für Olympen und somit eine klare Empfehlung von mir.

Touri-Tipps für Oslo

Nirgendwo anders hatte ich bisher so tolle Museen besichtigt wie in Oslo! Sie erzählen spannende Geschichten von vergangenen Zeiten und unglaublichen Abenteuern und lassen einen so richtig in die norwegische Kultur eintauchen. Eigentlich würde ich behaupten, dass in Oslo jede Sehenswürdigkeit etwas Besonderes, vielleicht sogar Magisches hat, auch wenn sie von außen oft eher langweilig wirken, wie beispielsweise das Rathaus. Doch einmal drin, taucht man in eine komplett andere, atemberaubende Welt ein. Und in der nahen Zukunft soll Oslo auch noch mit ultamoderner Architektur überzeugen.

Sehenswürdigkeiten

Fans der modernen Architektur wie ich kommen in Oslo voll auf ihre Kosten, denn die Stadt bekommt sein einigen Jahren ein Facelift und die ersten architekturellen Wunder, wie das Projekt Barcode oder das Opernhaus, können bereits bestaunt werden. Die komplette Küste von Oslo soll mit modernen Business-Gebäuden und Museen geschmückt werden und wäre ab 2019 in seiner vollen Pracht zu bewundern. Wer ist noch dabei? 😉

Oslo hat auch eine traditionelle Seite, die durch Sehenswürdigkeiten wie das Rote Rathaus oder die Festung Akershus repräsentiert wird. Viel gelobt wird auch die Vigeland-Skulpturenanlage im Frognerpark. Bei schönem Wetter kann man dort sicher ein paar entspannte Stunden verbringen. Wir hatten aber kein Glück mit dem Wetter und sind nur schnell durch den Park gelaufen, einfach um dieses Ziel abgehakt zu haben. So konnten wir nur wenige der unzähligen Skulpturen im riesigen Park sehen.

Museen

Bygdøy. Merkt euch diesen Namen, denn da müsst ihr hin, wenn ihr ein paar äußerst spannende Museen besuchen wollt. Das Stadtteil Bygdøy, auch bekannt als die Museumsinsel (obwohl es eigentlich eine Halbinsel ist), liegt etwas weiter weg von Oslos Zentrum, ist aber gut per Fahrrad oder Fähre erreichbar (mehr dazu gleich). Wir konnten an einem Tag fast alle Museen der Museumsinsel abklappern, auch wenn es eine ziemlich sportliche Unternehmung war.

Norwegisches Volksmuseum (Norsk Folkemuseum)

Norwegische Kultur pur. Eine Sammlung mit verschiedenen Objekten erzählt vom Leben und der Kultur Norwegens in den letzten sechs Jahrhunderten. Sehr interessant ist auch das Freilichtmuseum, das mit seinen 160 Gebäuden unterschiedliche Regionen des Landes, verschiedene Zeiträume sowie Unterschiede zwischen Stadt und Land und sozialen Schichten repräsentiert.

Wikingerschiffmuseum (Vikingskipshuset)

In diesem Museum sind zwei echte und ziemlich gut erhaltene Wikingerschiffe ausgestellt, die, wenn ich mich nicht irre, um die 1000 Jahre alt sein sollen. Es war außerdem interessant zu erfahren, dass zu Wikinger-Zeiten das Klima in Norwegen noch wesentlich wärmer gewesen sein soll.

Kon-Tiki-Museum

Absolut kinoreif und tatsächlich mit Oskar prämiert ist die Geschichte, die im Kon-Tiki-Museum erzählt wird. Es handelt von einem norwegischen Entdecker, der im Jahr 1947 den Pazifischen Ozean auf einem primitiven Holzfloß überquerte und somit das Unmögliche schaffte. Das echte Holzfloß sowie ein Papyrusschiff des Entdeckers sind im Museum ausgestellt. Dazu gibt es ein paar fast unglaublich klingende Geschichten über Neugier, Abenteuerlust und Mut sowie jede Menge Beweisfotos und Originalgegenstände vom Boot. Ich fand dieses Museum sehr inspirierend!

Fram Polarschiffmuseum (Frammuseet)

Ein weiteres Museum über Seefahrt und gefährliche Expeditionen. Dort ist in voller Pracht das riesige Schiff Fram untergebracht, mit dem Roald Amundsen und seine Crew als erste den Südpol erreichten. Fram kam auch besichtigt werden und das ist meiner Meinung nach eines der besten Dinge, die man in Oslo machen kann. 🙂

Andere

Auch sehr interessant fand ich das Nobel Friedenszentrum, wo der Friedensnobelpreis verliehen wird und die Nationalgalerie, die einen u.a. mit schönen und farbenfrohen Naturgemälden aufwartet. Dort hängt auch das berühmte Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch. Wenn man es fotografieren möchte, muss man Schlange stehen. Und wenn man endlich dran gekommen ist, dann posiert man mit dem „Der Schrei“-Gesicht, wie es mein Freund schön vorzeigt. 😀

Oslo Nationalgalerie Der Schrei

Bootsfahrt entlang der Fjorde

Für ca. 30 € haben wir eine Bootsfahrt entlang der Fjorde gebucht, obwohl wir lange überlegt hatten, ob sich der Preis lohnt oder wir doch lieber eine „Rundfahrt“ mit der Fähre machen sollen, die uns für unter 10 € zu allen großen Inseln in der Nähe und zurück gebracht hätte. Immerhin hat die Bootsfahrt zwei Stunden gedauert und wir konnten viel Interessantes über Oslo und die Inseln erfahren. Empfehlung: Mindestens einen Tag vorher Tickets kaufen, vor allem wenn das Wetter schön werden soll.

Transport

Die meiste Zeit waren wir zu Fuß unterwegs, denn so groß ist Oslo letztendlich nicht. Doch als wir zur Museumsinsel wollten, mussten wir ein anderes Transportmittel als das Fußmobil nutzen. Wir hatten drei Möglichkeiten: Bus, zu Fuß bis zum Hafen und danach mit der Fähre nach Bygdøy oder „einfach“ mit dem Fahrrad. Ein City Bike zu mieten ist gar nicht so schwer in Oslo. Man muss nur die App Oslo Bysykkel herunterladen und sich dort anmelden. Das Tagesabo kostet ca. 5 € und man darf bis zu 45 min am Stück ohne Zuzahlung fahren. Vorausgesetzt man kann Fahrrad fahren, und nicht wie ich, es die Hälfte der Zeit nur durch die Stadt schieben. 😀 Na ja, irgendwie habe ich es doch geschafft. Als es dann zur Museumsinsel über einen Waldweg weiterging und kaum Menschen auf dem Weg waren, hat es sogar ein bisschen Spaß gemacht.

Mit Fahrrad durch Oslo

Nördlicher als Manchester war ich bisher noch nie gewesen – mich zieht’s eher in Richtung Süden. Doch dank John Mayer (), dessen Konzert der Grund für meinen Trip nach Oslo war, konnte ich auch diesen Teil der Welt erkunden und ich kann es jedem nur empfehlen! Auch jedem Veganer. 😉

XO Naturita

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